Schweiz und Europa stehen vor einer tiefgreifenden Energiewende, und Wasserstoff spielt dabei eine zentrale Rolle. Während die Schweiz bereits seit Jahren an grüner Wasserstoffproduktion forscht, bleibt die Umsetzung vor allem wegen technischer und wirtschaftlicher Hürden eine Herausforderung. Doch mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und innovativen Speicherlösungen könnte Wasserstoff eine Schlüsseltechnologie für die Dekarbonisierung der Industrie, des Verkehrs und der Wärmeversorgung werden. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wie schnell die Schweiz ihre Potenziale nutzt – und welche Lösungen es gibt, um die Kosten zu senken und die Infrastruktur zu etablieren.

Grüner Wasserstoff: Potenzial und Grenzen in der Schweiz

Die Schweiz hat ein einzigartiges Potenzial für grüne Wasserstoffproduktion, da sie über reichlich erneuerbare Energien verfügt – vor allem Wasserkraft. Laut dem Bundesamt für Energie (BFE) könnte die Schweiz bis 2050 theoretisch bis zu 10 Terawattstunden (TWh) Wasserstoff pro Jahr herstellen, wenn die Infrastruktur und die Elektrolyseure effizient genutzt würden. Aktuell liegt die Produktion jedoch bei weniger als 100 Megawattstunden pro Jahr, was vor allem auf fehlende Skalierung und hohe Produktionskosten zurückzuführen ist. Besonders interessant ist die Wasserstoffwirtschaft für die Chemieindustrie, die Transportsektor (z. B. LKWs und Schiffe) und die Stahlproduktion, wo Wasserstoff als Ersatz für Kohle oder Erdgas eingesetzt wird.

Ein zentraler Hebel ist die Nutzung von Überschussstrom aus Wasserkraft – etwa in der Nacht, wenn die Nachfrage nach Strom gering ist. Projekte wie das dieser link zeigen, dass auch kleinere Pilotanlagen wie die Elektrolyseanlage in Thayngen oder die Wasserstoff-Hybridheizung in Zürich bereits erste Erfolge erzielen. Doch der größte Nachteil bleibt die hohe Energieintensität der Herstellung: Für die Produktion von 1 kg Wasserstoff werden etwa 3–5 kWh benötigt, was die Kosten pro Kilogramm auf aktuell 8–12 Franken pro kg drückt – deutlich teurer als Erdgas oder synthetische Kraftstoffe. Hier sind weitere Innovationen nötig, etwa effizientere Elektrolyseure oder die Nutzung von Abwärme aus Industrieprozessen.

Infrastruktur: Die Schlüsselfrage für den Markteintritt

Ein weiterer Blockierfaktor ist die fehlende Infrastruktur für den Transport und die Speicherung von Wasserstoff. Während flüssiger Wasserstoff (LH₂) für den Langstreckenverkehr interessant ist, dominiert derzeit die Wasserstoffgas-Infrastruktur, die an bestehende Gasnetze angepasst werden muss. Die Schweiz hat zwar Pläne für ein nationales Wasserstoffnetz, doch die Kosten für die Erweiterung der Gasleitungen und die Entwicklung von Speichermöglichkeiten (z. B. in Salzbergwerken) sind enorm. Laut dem BFE würde allein die Expansion der Gasnetze in den nächsten 15 Jahren Investitionen von über 1 Mrd. Franken erfordern. Zudem fehlt es an spezialisierten Tankstellen für Wasserstofffahrzeuge – aktuell gibt es nur wenige öffentliche Ladepunkte für Wasserstoffbusse und LKWs.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Akzeptanz der Bevölkerung. Während Wasserstoff für die Industrie und den Schwerlastverkehr unverzichtbar ist, bleibt die Nutzung im Straßenverkehr umstritten. Studien zeigen, dass die meisten Schweizer:innen Wasserstofffahrzeuge zunächst skeptisch betrachten, besonders wegen der hohen Kosten und der fehlenden Alternativen. Hier könnten Pilotprojekte wie das „Projekt „Wasserstoffbusse in der Region Basel“ helfen, das bereits seit 2020 Wasserstoffbusse im Einsatz hat und positive Erfahrungen sammelt. Entscheidend wird sein, dass die Schweiz nicht nur technisch, sondern auch politisch und wirtschaftlich eine klare Strategie verfolgt – etwa durch Subventionen für Wasserstoffinfrastruktur oder die Förderung von Forschung an der ETH oder der FH Zürich.

Wirtschaftliche Modelle und Zukunftsperspektiven

Trotz der Herausforderungen gibt es bereits konkrete Ansätze, wie die Schweiz Wasserstoff wirtschaftlich attraktiv machen kann. Ein Modell ist die Kooperation mit Nachbarländern, etwa durch den Bau von Wasserstoffpipelines oder die Nutzung von Überschussstrom aus Deutschland oder Frankreich. Das „Wasserstoff-Korridor-Projekt“ zwischen der Schweiz und Italien zeigt, wie solche Netzwerke funktionieren können. Zudem könnten lokale Wasserstoffprojekte, wie sie in der Schweiz bereits in der Schweiz in der Schweiz (z. B. in der Region Basel oder im Kanton Aargau) testet werden, langfristig zu einer dezentralen Versorgung beitragen.

Laut einer Studie des BFE könnte die Wasserstoffwirtschaft bis 2050 bis zu 100.000 neue Arbeitsplätze in der Schweiz schaffen – vor allem in der Produktion, Logistik und Forschung. Allerdings wird dies nur gelingen, wenn die Schweiz frühzeitig mit der Entwicklung von Standards, Sicherheitskonzepten und einer klaren politischen Priorisierung beginnt. Ein weiterer Vorteil ist, dass Wasserstoff als „grüner“ Ersatz für fossile Brennstoffe in der Schweiz auch eine Chance für die Exporteure bietet: Die Schweiz könnte als führender Standort für grüne Wasserstofftechnologien positionieren – etwa durch die Produktion von Elektrolyseuren oder Wasserstoffspeichern.

  • Die Schweiz könnte bis 2050 theoretisch bis zu 10 TWh Wasserstoff pro Jahr produzieren – aktuell liegt die Produktion bei nur 100 MWh.
  • Die Kosten für grünen Wasserstoff liegen aktuell bei 8–12 Franken pro kg, während Erdgas bei 0,5–1 Franken pro kg liegt.
  • Die Expansion der Gasnetze für Wasserstoff wird Investitionen von über 1 Mrd. Franken erfordern.
  • Pilotprojekte wie die Wasserstoffbusse in Basel zeigen, dass die Technologie bereits heute funktioniert.
  • Die Wasserstoffwirtschaft könnte bis 2050 bis zu 100.000 neue Arbeitsplätze in der Schweiz schaffen.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *